Tolino Shine und iPad: Bücher auf beiden Geräten lesen

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Pünktlich (und wohl auch etwas überhastet) wurde der eReader „Tolino Shine“ zur Leipziger Buchmesse Mitte März 2013 veröffentlicht; damit wollen die großen deutschen Buchhändler Thalia, Bertelsmann-Club, Hugendubel, Weltbild und Telekom Pageplace dem Handelsriesen Amazon und seinem inzwischen weit verbreiteten „Kindle“ entgegentreten. Amazon ist drauf und dran, sein eigenes eBook-Format so stark zu verbreiten, dass eine aktive Gegenwehr nötig wird – im wachsenden eBook-Geschäft wären die deutschen Händler sonst in absehbarer Zeit völlig abgeschlagen.

Der eReader „Tolino Shine“ selbst ist ein sehr gutes Gerät, das den direkten Konkurrenten „Kindle Paperwhite“ durchaus das Fürchten lehren kann – die schiere Geschwindigkeit beim Blättern, das spürbar geringere Gewicht, die wertige Verarbeitung und das ebenbürtige Display bei gleichzeitig niedrigerem Preis machen den Tolino zu einer beachtenswerten Alternative. Leser, die bei der Darstellung der Buchseiten Wert auf ein ausgeglichenes Schriftbild legen, sollten sich den Tolino ebenfalls näher betrachten: Tolino versteht sich auf Trennungen und Ligaturen, ein Bereich, der dem techniklastigen Kindle völlig fremd ist.

Nur in einer Hinsicht kann der Tolino dem Kindle das Wasser nicht reichen: In der Vielzahl technischer Funktionen. Tatsächlich scheint der überhastete Start des Gerätes dazu geführt zu haben, dass wesentliche Fähigkeiten (wie etwa das Anfügen von Markierungen, ein Kinderschutz oder das Organisieren der Bücher in Verzeichnissen) auf spätere Updates verschoben wurden. Der Kunde, der heute einen Tolino zu sehr günstigen Preis von 99 € ersteht, erhält also eine ausgezeichnete Hardware … mit dem Versprechen, weitere Updates der Software würden folgen.

Der Tolino (Quelle: Weltbild)

Der Tolino (Quelle: Weltbild)

Ein wesentliches Argument (und ein wesentliches Verbreitungsmerkmal!) des „Kindle“ von Amazon ist seine Fähigkeit, auf allen Plattformen abrufbar zu sein: ob iPad, PC, Mac, iPhone oder Android Handy – überall können Amazon Käufer ihre Bücher lesen und über die zentrale „Cloud“ wird der „Lesefortschritt“ auf einem Gerät stets auf alle anderen übertragen. Das hat dazu geführt, das die „Kindle App“ dauerhaft unter den Top-Downloads im iPad-App Store steht – obwohl Apple allen Konkurrenten einen Einbau eigener Shop-Funktionen verboten hat, erfreut sich der „Kindle“ auf dem iPad größter Beliebtheit.

Natürlich bietet auch der Tolino-Händlerverbund eine solche App an: seltsamerweise heißt sie nicht „Tolino-App“, sondern „Weltbild“, „Thalia“ oder „Pageplace-App“. Man sieht, so ganz weit ist es mit der Integration noch nicht gediehen. Und obwohl bei Tolino großmütig versprochen wird, man könne „andere Shops nutzen“ (im Gegensatz zu Kindle, der auf Amazon reduziert ist), scheint das gerade bei den Apps nicht ganz so zu sein.

Da mein Tolino von Weltbild kommt, habe ich also die „Weltbild-App“ geladen – einen Blick auf die übrigen Apps konnte ich mir allerdings nicht verkneifen: es handelt sich um die baugleiche Lese-App, die lediglich jeweils ein anderes Logo trägt.

Die Weltbild App nennt den „Tolino“ mit keinem Wort – obwohl sie kürzlich an die Telekom Cloud angeschlossen wurde, also tatsächlich eine „Tolino-App“ darstellt. Da ein Zugang zum Weltbild-Buchladen nicht vorhanden ist, befremdet die Namensgebung umso mehr.

Der eReader Tolino ist ein offenes Lesegerät, schließt man ihn am PC an, kann man „ePub“ Bücher auf das Gerät übertragen und dort bequem und sehr gefällig lesen. Im Tolino selbst ist im „Menü“ die Funktion „TelekomCloud“ enthalten, die wiederum den Button „Upload“ anbietet: aktiviert man ihn, lädt der eReader alle ausgewählten Bücher auf die Server der Telekom hoch.

Die Übersicht der eBooks

Die Übersicht der eBooks

Meldet man sich danach auf dem iPad in der „Weltbild-App“ an, werden tatsächlich umgehend alle (bei Weltbild gekaufte wie auch selbst angelegte) Bücher sauber aus der Cloud übertragen und in der App angezeigt. Ähnlich wie in der Kindle-App gibt es nur eine Übersicht, die nach Autor, Erscheinungsdatum, Aktualität und Titel geordnet werden kann – weitere Ordnungssysteme wie etwa Verzeichnisse werden nicht angeboten. Titel und Autoren können gesucht werden, es gibt auch eine „Synchronisieren“-Funktion – der jeweilige Lesefortschritt wurde bei meinem Test allerdings zwischen iPad und Tolino nicht abgeglichen.

Im Lesemodus geht es spartanisch zu: es gibt eine Schrifttype in sechs Größen, eine Darstellung in „Buchoptik“ mit Papierkante, weißem oder Sepia-Hintergrund; die Helligkeit kann eingestellt werden und man kann den Titel des Buches über Facebook, Twitter oder eMail teilen.

Weltbild App Lesemodus mit Markierungen

Weltbild App Lesemodus mit Markierungen

Eine Markierfunktion gibt es in der Tolino-App ebenfalls – im eReader selbst fehlt diese noch. Über das Kapitelsymbol lassen sich alle Markierungen und Notizen abrufen – leider aber nicht per Mail verschicken, was gerade bei der Arbeit mit Fachbüchern sehr sinnvoll wäre.

Schade ist auch, dass eine Suchfunktion im Buch selbst nicht vorhanden ist. Das gehört zum absoluten Mindestfunktionsumfang und sollte schnellstens nachgerüstet werden.

Was auf ersten Blick enttäuscht: auf dem technisch hochgezüchteten iPad ist die Darstellung der Buchseite nicht so gut, wie auf dem spartanisch ausgestatteten eReader Tolino. Es gibt keine Silbentrennung, auch Ligaturen sucht der Leser vergebens.

Laut Weltbild muss zur Übertragung und Anzeige von eBooks eine „Adobe-ID“ beantragt werden, um den Kopierschutz der Bücher an die eigene Person zu binden. Das gilt offensichtlich nicht für Bücher, die man im Weltbild-Shop gekauft hat und im Tolino bzw. der Weltbild-App lesen möchte. Der gesamte Ablauf ist einfach und glatt und gleicht damit dem Vorbild Amazon.

Fazit: die „Weltbild-App“ zeigt eBooks an, die der Leser bei Weltbild gekauft hat; tatsächlich ist sie eine „Tolino-App“ und kann alle Bücher abgleichen, die auf dem eReader gesammelt wurden. Nicht alle Funktionen sind völlig ausgereift (Abgleich der Lesezeichen, Markierungen), manche Funktionen (Suche im Buch, Verzeichnisse) fehlen völlig. Insgesamt tut die App ihren Job – sie zeigt Bücher an, die der Leser parallel auf dem Tolino gespeichert hat. Gerade in der Familie oder wenn man unterwegs auf dem Handy lesen möchte, stellt diese iPad App eine gute Ergämzung zum eReader Tolino Shine dar.

Links: Tolino-Test bei xtme, Weltbild-App bei iTunes, Tolino bei Weltbild

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One Response to Tolino Shine und iPad: Bücher auf beiden Geräten lesen

  1. D.D.Fischer 30. April 2013 at 11:56 #

    Ich finde den Tolino auch spitze. Er ist etwas leichter als der Kindle und vorallem ist dort keine feste Bindung bei dem kauf von eBooks. Viele Paperwhite Käufer ist das vor dem Kauf garnicht bewusst. Laut der Informationsseite http://www.ebook-reader-vergleich.de/ereader-vergleich/direktvergleich/default.aspx hat der Tolino Shine auch Vorteile beim internen und externen Speicher. Also für mich spricht alles für den Tolino.

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