Textverarbeitung unterwegs: Schreibprogramme auf dem iPad

Einfach schnell einen Text schreiben; Word Dokumente erstellen oder bearbeiten – ein iPad ist aus meiner Sicht bestens als Reiseschreibmaschine geeignet. Doch was leisten die verschiedenen Textverarbeitungs-Apps? Gibt es Möglichkeiten, mit der gewohnten Textverarbeitung am PC – also Word – Texte auszutauschen? (Aktualisiert: März 2014)

Inzwischen gibt es einige Schreibprogramme auf dem iPad, die eine mehr oder weniger sinnvolle Textverarbeitung zulassen. Dass eine App, die um 1,50 € angeboten wird, nicht mit dem monumentalen Funktionsumfang von Microsoft Word konkurrieren kann, ist einleuchtend. Trotzdem sollten die Basisaufgaben: bequemes Schreiben, Korrektur, sinnvolle Export- und Importfunktionen sowie verlässliche Stabilität gegeben sein.

Schreiben oder gestalten?

Grundsätzlich sollte man sich im Vorfeld entscheiden, ob man Text schreiben oder gestalten will. Während beispielsweise „Pages“ aus der iWork Suite von Apple bezeichnenderweise mit Vorlagen wie „Partyeinladung“, „Brief“, „Lebenslauf“ oder „Rezept“ aufwartet – und damit schon die grundlegende Einsatzrichtung dieser Software bestimmt – kennt „Storyist“ (Link zum Artikel) nur „Romanvorlage“ und „Drehbuch“. Wer also hübsch formatierte Blätter inklusive Tabellen und Diagrammen erstellen will, ist bei Pages gut aufgehoben. Wer vorhat, einen Roman oder eine Kurzgeschichte zu verfassen, sollte zu Storyist greifen. Für Artikel, Notizen oder Briefe sind „Textkraft“ (Link zum Artikel) oder „ia Writer“ (Link zum Artikel) geeignet.

Rechtschreibkontrolle

Seit iOS 5 ist die Fehlerkorrekturauf dem iPad einigermaßen erträglich geworden. Davor musste man sich mit einer Handy-typischen Brachialkorrektur abfinden und sinnlose Autokorrekturen ertragen, die höchstens für schreibuntüchtige SMS Tipper Sinn machen. Jetzt lässt sich „Korrektur“ (unbekannte Worte werden unterstrichen) von „Auto-Korrektur“ (unbekannte Worte werden ganz nebenbei in irgendetwas verwandelt) getrennt zuschalten.

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Nicht immer hilfreich: „Pages“ und die iPad-Rechtschreibkontrolle

Textkraft geht hier einen eigenen Weg und liefert eine eigene Rechtschreib- und Synonymfunktion mit. Vor allem letztere ist wirklich empfehlenswert und eine große Hilfe, wenn man einen guten (!) Text, etwa für eine Ansprache oder ein wichtiges Dokument schreiben will. Textkraft ist sogar zum Reimen geeignet – das lesen Sie am besten im entsprechenden Artikel hier auf appyness nach.

Speichern, Öffnen und verteilen

Während Apple versucht, seine eigene Cloud zu propagieren, und für „Pages“ nur die Ausgänge „iTunes“, „iDisk“ und „WebDAV“ anbietet, hat sich für die übrigen Schreibprogramme der weit verbreitete Anbieter „Dropbox“ etabliert. Da „Dropbox“ seine wirklich funktionelle Cloudlösung gratis anbietet, möchte ich das hier auch ausdrücklich empfehlen – ich arbeite seit einem Jahr damit und bin sehr zufrieden.
Eine Verbindung über die Cloud ist sinnvoll, wenn man auf dem iPad unterwegs oder abends auf dem Sofa schreibt und diese Texte dann mit einer „richtigen“ Textverarbeitung wie Papyrus oder Word am großen Bildschirm zusammenfügt und lektoriert. Für solche Textverschiebungen hat sich bei den meisten Apps das reine „.txt“ Format etabliert. Das bedeutet natürlich, dass sämtliche (!) Formatierungen auf dem Wege verloren gehen.
Pages kann auch aktuelle Word „.docx“ Dateien laden und speichern (eingebettete Excel-Dateien werden wohl übertragen, sind aber nicht editierbar; Fußnoten funktionieren ganz passabel; und Schriften – da verwendet das iPad natürlich seine eigenen), Storyist beherrscht den Import von „RTF“ Dateien – scheitert aber kläglich, wenn man diese wieder exportieren will.

Eine weitere Möglichkeit bietet Infovole mit „Word-2-Text“; mit dieser App können Word Dokumente völlig „entlaust“ und als reine Texte auf das iPad importiert werden. Falls man Ihnen etwa ein Word-Dokument als Mail schickt, kann „Word-2-Text“ diesen Text öffnen und editierbar machen. Aber meine eingebettete Excel-Tabelle ging bei diesem Test verloren.

Ich arbeite zur Zeit also folgendermaßen: wenn ich einen Text unterwegs bearbeiten möchte, sichere ich den als „txt“ Datei in der Dropbox ab, lade ihn mir beispielsweise in Textkraft; bearbeite ihn wie ich lustig bin und speichere danach in der Cloud wieder ab. Danach kopiere ich diesen Text am PC in „Papyrus“ und mache eine Endfassung.

Abgleich mit Microsoft Word 2003 und 2007

Viele Texte liegen bei mir als Word-Dokument vor: da wäre es natürlich schön, wenn ich diese Dokumente auf dem iPad im Zugriff hätte und „nicht zerstörend“ unterwegs in den Inhalt dieser „.docx“ Dateien eingreifen könnte.

Als erstes habe ich mir „Smart Office 2“ angesehen (Link zum Artikel). Smart Office verspricht, unter anderem Word Dokumente erstellen, abspeichern und weiter bearbeiten zu können. Im Test muss ich sagen: das hat tatsächlich geklappt! Ich konnte ein Word Dokument erstellen, auf der Dropbox abspeichern, am PC unter Word 2007 ein Bild und eine Excel-Tabelle zufügen und das auf dem iPad 1 (!) anstandslos öffnen und weiter bearbeiten. Nur die eingebettete Excel Tabelle wird am iPad lediglich angezeigt und kann nicht direkt verändert werden. Dabei sieht Smart Office auf ersten Blick sehr verspielt aus … die Rezensionen im iTunes Store, die von häufigen Abstürzen erzählen, konnte ich bei diesem (natürlich kurzen) Test nicht nachvollziehen.

„Documents To Go“ ist ebenfalls eine iPad App, die es erlaubt, Word, Excel und Powerpoint Dateien direkt zu importieren, zu bearbeiten und wieder abzuspeichern. Einen Test schiebe ich vor mir her, da die Beurteilungen im App Store ziemlich durchwachsen sind, und ich mir das ehrlich gesagt nicht antun will.

Erweiterte Bildschirm Tastatur

Zum Standard guter Textprogramme auf dem iPad gehört inzwischen auch eine erweiterte Bildschirmtastatur. „iA Writer“ hatte damit angefangen, Cursortasten zum schnellen Hin- und Herspringen im Text einzusetzen, für deutsche Nutzer ein „ß“ sowie Umlautpunkte anzubieten. Auch Textkraft, Storyist und „Write 2“ bieten diese sinnvolle Funktion an. Nur „Pages“ glänzt mit der Basistastatur, was dieses Schreibprogramm in meinen Augen ziemlich abwertet – mich nervt es, im Schreibvorgang mit dem Finger die richtige Stelle im Text antappen zu müssen, wenn ich etwas korrigieren will.

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Die iA Writer Tastatur ist richtungsweisend: Cursortasten für Worts- oder Zeichensprünge, Anführungszeichen- und Klammerautomatik.

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Die „Pages“-Tastatur erscheint im schneeweißen „iOS 7“-Look und ist auf Layoutarbeit optimiert

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„Storyist“ bietet Cursortasten in alle Richtungen und informiert über die bereits geschriebene Menge

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„Wortkraft“ bietet schnellen Zugriff auf Synonyme und ähnlich klingende Worte

Stabilität

App‘s sollten sauber programmiert und gewissenhaft getestet sein. Apple selbst greift da den Entwicklern „unter die Arme“ und verweigert schlecht umgesetzten App‘s den Zugang zum Store. Meistens. Die Version von „Write 2“, die am 18.10.2011 erschien, stürzte nach Eingabe von Doppelpunkt und Leerzeichen dauerhaft reproduzierbar ab. Das lag – wie ich nach dem Update vom 1.12.2011 bemerkte – an einer Werkseinstellung innerhalb des Programmes. Schön, wenn ein Programmierer hinter seinem Produkt steht und es weiterentwickelt.

Sinnvolle Funktionen

Sinnvoll nenne ich beispielsweise eine „Suchen & Ersetzen“ Funktion. Pages und Storyist bieten es an, Textkraft und ia Writer nicht. Sinnvoll nenne ich, eigene Stile anlegen zu können. Das kann irgendwie keine der getesteten Apps.
Für Pages sollte man einen Mac und dort die Vollversion besitzen, um neue Vorlagen erstellen zu können (etwa eine „Courier“ Vorlage mit passenden Überschriften). Für Storyist gilt das gleiche. Die anderen erlauben (bis auf ia Writer, der wirklich nur eine Schrift kann) das globale Umstellen der Fonts.

Schönheit? Ja, darum kann es auch gehen. „iA Writer“ ist makellos, aber auf das Wesentlichste reduziert. „Pages“ ist mit seiner Lederoptik Geschmackssache, die Bedienung ist rund und die Ergebnisse durchweg glatt und schön – wie man es von Apple-Produkten kennt. „Textkraft“ ist mit seinen ausgefuchsten Wörterbüchern für Journalisten oder Schriftsteller gut geeignet, die unterwegs schreiben wollen; und „Write 2“ liegt irgendwo zwischen „Textkraft“ und „iA Writer“.

Sinnlose Funktionen

Die bei weitem absurdeste Funktion bietet „Write 2“: die „absolute“ PIN-Sicherheitsabfrage. Wird man nämlich bedroht oder gezwungen („threatenet or forced“) die PIN rauszurücken, kann man durch Preisgabe der „Emergency PIN“ 0911 (oh Gott, wie einfallsreich) eine App vorführen, die keinerlei Texte mehr enthält. Das ist sinnvoll für alle Mitarbeiter im Geheimdienst Ihrer königlichen Majestät, für die ich diese App gerne empfehlen möchte.

Pages im App Store

Textkraft im App Store

iA Writer im App Store

Write 2 im App Store

Storyist im App Store

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2 Responses to Textverarbeitung unterwegs: Schreibprogramme auf dem iPad

  1. Quentinharlech 21. Juni 2012 at 15:43 #

    Hm… Leider fehlt mir hier das Fazit. Ich schreibe sehr viel und will auch mal im Zug schreiben. Daher suche ich ein Programm mit dem man vernünftig arbeiten kann. Ich erwarte nicht mal Bilder Implementierung in der App, wobei es für Konzepte schon praktisch und wünschenswert wäre.

    Am wichtigsten ist mir der reibungslose Abgleich mit Word. Dazu will ich über Dropbox arbeiten und dort die Docs speichern.

    Welche App gibts mir jetzt die besten Funktionen? Welche App erlaubt mir das Arbeiten mit bereits bestehenden Word files?

    Wenn ihr mir da noch ne Antwort habt, das gibt ein Eintrag im Fleißheft!

    • Johannes Zum Winkel 22. Juni 2012 at 13:41 #

      Hallo Quentin, ich hatte mir gestern „Smart Office 2“ angesehen (zur Zeit 79 Cent im Abb Store) und muss sagen: beim Test (Word Dokument auf dem iPad erstellt -> Dropbox Word 2007 Windows, bearbeitet -> zurück zum iPad, bearbeitet -> zurück zum PC hat anstandslos funktioniert, inklusive Bilder und Formatierungen.

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