iPad App Test: Textkraft, Schreibkraft und Wortkraft Schreibprogramm

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Textkraft.de

Text, Wort und Schreib: diese drei Kräfte gibt es für das iPad und damit hat Infovole einen breiten Fächer von Schreibprogrammen geschaffen. Textkraft ist das Flaggschiff – einfach eine gute Textverarbeitung mit sinnvollen Erweiterungen für das iPad. Schreibkraft ist günstiger und spricht mehrere Sprachen – und Wortkraft, als abgespecktes „Wortkraft lite“ aktuell sogar gratis im iStore, bietet eine einfache, funktionale Textverarbeitung. Eine Formatierung von Texten bietet keine dieser Schreib-Apps.
Textkraft – das Flaggschiff

Die Möglichkeiten, die Textkraft (3,99 €) dem iPad-Nutzer bietet, sind durchaus sinnvoll: man kann bis zu fünf Texte im Schnellspeicher parallel bearbeiten und über den Umweg „in App öffnen“ an die Dropbox weiterleiten. Ein Tap auf das Buchsymbol öffnet einen Browser, der das aktuell geschrieben Wort zu Wikipedia, Wiktionary, Canoo und den „Wortschatz der Uni Leipzig“ leitet. Das ist bequemer als das Herumgewechsle mit Safari.

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Sogar zum Dichten geeignet: Textkraft

Außerdem kann man die Textgröße mit dem Zweifingergriff verändern. Das ist intuitiv und angenehm. Über die iPad „Einstellungen“ kann eine von zehn Systemschriften ausgewählt werden. Textkraft bietet auch einen Lesemodus, der sinnigerweise die Tastatur abschaltet … doch halt. Mir geht es hier ums Schreiben.
Ähnlich wie die doch etwas stylisher geformte App iA Writer ist Textkraft ein reines Schreibprogramm ohne Formatierungsmöglichkeiten. Die Texte werden als *.TXT Dateien ausgegeben. Setzt man den Word-Konverter „Word 2 Text“ vom gleichen Hersteller ein, kann man Word-Dokumente komplett in Textdateien einlesen und weiter verarbeiten. Dabei gehen natürlich alle Formatierungen verloren – aber der Hersteller verspricht mit „komplett“, dass die Word-Dateien tatsächlich vollständig auf dem iPad landen.

Die altbekannte iOS – Bildschirmtastatur wird bei Textkraft mit 16 zusätzlichen Tasten aufgemöbelt. Im Unterschied zur System-Tastatur hört man auf den zusätzlichen Tasten allerdings keinen Klickton. Das ist ein kleines Manko, das im Textfluss manchmal irritiert.

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Die vollständig ausgeklappte Tastatur von Textkraft

Gut verwendbar sind die Umlauttasten, die „ß“ und Cursortasten (die nicht nur links und rechts, sondern auch rauf und runter zeigen) sowie Sprungtasten für Wort- und Zeilensprünge. „Undo“ und „redo“ Tasten sind ok, obwohl ich mich an die iPad Wischtechnik „zwei Finger nach links“ = Undo bereits gewöhnt habe. Die Groß- und Kleinschreibungstaste, die den Anfangsbuchstaben eines Wortes automatisch anpasst, hat man wohl eingebaut, weil noch Platz frei war. Ich konnte bei meinem 500 Worte Test mit dieser Funktion nicht wirklich was anfangen.

Jetzt aber endlich zur „einmaligen“ Rechtschreibhilfe, laut Herstellerangabe „kein Nachschlagen und keine Unterbrechung des Schreibflusses“. Das kann ich bestätigen. Die Rechtschreibfunktion von Textkraft ist seit dem neuesten Update auch auf dem iPad 1 so schnell geworden, dass bereits ein ganz kurzes Innehalten beim Schreiben Korrekturvorschläge, Synonyme und ähnliche Worte aufzeigt. Die Besonderheit dabei ist, dass diese umfangreichen Vorschläge auch offline stets vorhanden sind.
Die eingebaute Apple Korrekturhilfe tut parallel ihr Werk, und das wie üblich schnell und nicht immer stimmig (weshalb ich sie auch nur für diesen Test eingeschaltet habe).

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Mit „Krorrektur“ überfordert – iOS und Textkraft!

Nehmen wir das Wort „verniedlichen“. Ich schreibe es falsch „vernidlichen“ und erhalte von Apple sofort den Korrekturhinweis „verniedlichen“, während Textkraft tiefer geht: es zeigt „vernidlichen“ in rot – der Hinweis, dass dieses Wort Textkraft unbekannt ist. Dem kann ich mich anschließen. Darunter erscheinen die Vorschläge: „freundlichen“, „verniedlichen“, „Verniedlichung“, „vermutlich“, „freundliche“ sowie 25 weitere, darunter „vernähen“ und „Wärmetauscher“. Das führt etwas weiter weg. Seine ganze Kraft entwickelt das Programm aber, sobald „verniedlichen“ korrigiert da steht: „als unbedeutend hinstellen“, „bagatellisieren“, „beschönigen“, „herunterspielen“, „verharmlosen“, „verkleinern“ und „verschönern“. Da sieht man, was in Textkraft steckt – allein das Synonymwörterbuch ist den Preis dieser Software wert!

Interessant fand ich folgendes: bei der Eingabe von „Krorrekturvorschlag“ kapitulierten sowohl die iOS Korrektur wie auch Textkraft. Seltsam!

Abschließend noch ein Lob an Textkraft für eine Funktion, die nicht der Beschreibung des Herstellers aufgeführt wird, und die ich nur durch Zufall entdeckt habe: den iPad Poeten. Interpretiert man nämlich die in einem zarten Violett aufgeführten „ähnlichen Worte“ als Reimlexikon, entpuppt sich Textkraft als hilfreiches Tool zum Dichten eindrucksvoller Verse:

Schreibe ich am iPad Worte
Nennt mir Textkraft jede Sorte
Halt! Grad klopft es an die Pforte –
Bringt mir jemand eine Torte?

Textkraft im iTunes Store

Textkraft Lite – der kleine Bruder von Textkraft

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Wortkraft, der kleinste Bruder von Textkraft

Hier ist mir die „diakritische“ Taste aufgefallen, die aus „Morder“ automatisch „Mörder“ macht. Das ist ganz praktisch, wenn man die umständliche Umlautsuche über die iOS Tastatur nicht mag. Wortkraft verfügt nur über drei parallele Dokumentspeicher und zeigt das Wörterbuch mit den Synonymen nicht an. Ansonsten gleicht es Textkraft sehr – man kann mit Dropbox, iCloud oder iTunes Texte verschieben, auch per Mail oder Twitter versenden und Worte schnell bei Wikipedia recherchieren.

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Wortkraft ist das kleinste Textkraft

Das ist eine schnelle und verlässliche Textverarbeitung (1,99 €), die absolut empfehlenswert ist. Will man auf das reichhaltige Wörterbuch nicht verzichten, muss man 1 € mehr investieren und in die nächste Stufe einsteigen: Schreibkraft.

Wortkraft im iTunes Store

Textkraft Multilingual, ein sprachbegabter Cousin von Textkraft

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Schreibkraft ist vielsprachig

Bei „Textkraft Multilingual“ (früher Schreibkraft) (2,99 €) findet sich das Wörterbuch wieder; doch das Synonymwörterbuch fehlt. Und: Textkraft bietet im Unterschied zu Schreibkraft einzelne Umlauttasten. Die „diakritische“ diakritische-taste-schreibkraftTaste kann bekannte Worte gut automatisiert mit Umlauten versehen – aber eben nur bekannte. Schon bei „Tüchlein“ oder „Röstkartoffel“ streikt dieses Funktion.
Dafür bietet Schreibkraft etwas anderes: nämlich den Einsatz mehrerer fremdsprachiger Wörterbücher – auch parallel – und damit ist diese Text-App tatsächlich „multilingual“. Setzt man den Cursor hinter ein Wort, dann wird das Wort in mehreren Sprachen analysiert – die verfügbaren Wörterbücher decken bereits die halbe Welt ab: Englisch (GB, AUS, CAN, US), Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch (PT, BR), Russisch, Schwedisch und Dänisch sind zur Zeit verfügbar. Alle hier aufgeführten Wörterbücher sind übrigens in der angelieferten App vorhanden. Es braucht nichts nachgekauft zu werden, was ich an dieser Stelle ausdrücklich loben möchte.

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Schreibkraft und die Sprachen

Eine Übersetzung ist nur für einzelne Worte online über die Google Sprachtools möglich. Gibt man ein Wort ein, das in einer der Sprachen nicht gefunden wird, dann wird es halt einfach nicht gefunden. Wozu Schreibkraft aber wirklich gut geeignet ist, ist das Erstellen von Texten in einer Fremdsprache, die man so zu 70 % beherrscht. So gelingt es auch auf einem deutschen iPad, eine französische, italienische oder englische Rechtschreibkontrolle zu nutzen – etwa, wenn man eine Mail schreibt. Hier entfaltet auch der „diakritische“ Button seine ganze Kraft – denn oft sind die Akzente etwa im Französischen doch recht schwierig zu setzen. Und so geht das ganz automatisch – mit neunzigprozentiger Trefferquote …

Textkraft Multilingual im iTunes Store

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2 Responses to iPad App Test: Textkraft, Schreibkraft und Wortkraft Schreibprogramm

  1. Eberhard Heyne 28. Juli 2012 at 21:32 #

    ich verwende die Schreib App’s auf dem iPad 3 in Verbindung mit Spracheingabe (das Mikrofon in der Tastatur). Dabei tritt es sehr häufig auf, dass man die Groß-Klleinschreibung ändern muss. Die Tasten für diesen Zweck finde ich ausgesprochen praktisch und ich bedauere es, dass es bei iA Writer und Byword diese Möglichkeit nicht gibt. Dafür kann Textkraft nicht die Abkürzungen des TextExpander. Deshalb kombiniere ich mehrere Apps, und kopiere dabei Textstücke hin und her.
    Die Artikelserie über Schreib- Apps fand ich sehr kompetent und ich habe mich darüber gefreut, als ich mich in diese Dinge eingearbeitet habe.

    • Johannes Zum Winkel 28. Juli 2012 at 23:08 #

      Sehr geehrter Herr Heyne, danke für den interessanten Hinweis. Mit Spracheingabe hatte ich es noch gar nicht probiert. Danke auch für das Lob, das hat mir sehr gefreut.

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