iPad App Test: Business Model Toolbox

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Business Model Toolbox

Letzten Herbst hatte ich begeistert in dem Buch „Business Model Generation: A Handbook for Visionaries, Game Changers, and Challengers“ von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur geblättert. Die meisten Geschäftsmodelle verbergen sich hinter hermetisch kalkulierten Planungen, die willkürliche Annahmen in feinste Zahlengespinste auflösen und damit die tollsten Business Ideen vernebeln und ersticken – bis am Ende die Zahlen das Geschäft lenken, und nicht mehr die Innovationskraft des Unternehmers.

Wie ein Botaniker, der dem sauerstoffarmen Labor entkommt und in der Natur die Schönheit und Perfektion einer echten Blüte findet, begleitet Osterwalder seinen Leser auf anregende Weise in die sonst so dröge Welte der Business Modelle.

Seit Ende April 2011 gibt es nun die iPad App zum Buch – die „Business Model Toolbox“ zum selbstbewussten Preis von 23,99 € im App Store. Die Oberfläche orientiert sich am Apple iWorks Design; die Nutzung wird in einem kurzen Video anschaulich erklärt. Die App hilft in allen Bereichen mit kurzen Einführungen, „wichtigen Fragen“ und Beispielen. Ein wenig Wirtschaftsenglisch sollte man parat halten, ich versuche hier die wesentlichen Begriffe zu verdeutlichen:

Alles beginnt mit der „Value Proposition“, einem Begriff aus der New Economy. Er bedeutet mehr als nur ein reines „Angebot“, er umfasst ein „Wertversprechen“, das gleichzeitig den Nutzen für den Kunden erklärt – und damit auch unsere Geschäftsidee fokussiert. Im mitgelieferten Beispiel handelt es sich um „trendige T-Shirts für Kinder“. Man klebt einen gelben Post It Zettel in das entsprechende Feld und sollte sich nun entscheiden, welchen Kunden („Customer Segments“) man diese Leistung verkaufen will: etwa „Modebewusste Eltern“.

Mit „Channels“ muss der angehende Unternehmer erklären, wie das Angebot zum Kunden kommen soll: etwa über einen Laden an der Ecke, über einen Online Store, über Handzettelwerbung oder Adwords; das Modell erfordert auch eine Erklärung zur „Customer Relationship“ – wie gestalte ich die Kundenbindung: reine Verkaufe oder nachhaltige, persönliche Bindung?

„Key Ressources“ sind die wichtigsten Umstände, die das Geschäft ermöglichen sollen: eine frequentierte Lage des Verkaufsladens, gute Verkäufer, eine ansprechende Kollektion. Mit „Key Activities“ sollte man sich Gedanken über die wichtigsten Tätigkeiten machen: Verkaufen, Lager klein halten, gute Kollektionen zusammenstellen.

Zuletzt bleiben noch die „Key Partnerships“: Lieferanten und Geschäftspartner. Hier klebt der gelbe Zettel „T-Shirt Lieferanten“.

Trägt man nun bei den Kunden eine geschätzte Größe ein (im Beispiel sind 180 Tsd Personen in der gewünschten Zielgruppe erreichbar, ein Wert, der Dallas, Texas, entspricht), kann man sich an die letzten beiden Felder machen: „Revenue Streams“ (Umsatz) und „Cost Structure“, die Kosten, die unseren Umsatz wieder dezimieren.

Hier entpuppt sich die App als Zahlenkünstler: tippt man auf „Umsatz“, kann man das zuvor definierte Produkt direkt aufrufen und angeben, wie viel Prozent des geschätzten Kundensegments damit erreicht werden können. Aus der geschätzten Anzahl von verkauften T-Shirts pro Kunde und Jahr und einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 18 $ errechnet sich flugs eine beeindruckende Umsatzzahl von fast 200 TSD $.

Auf der Kostenseite funktioniert es ähnlich; die im Ideenprozess zusammengestellten Aktivitäten können einfach mit einer Kostenschätzung verknüpft werden und schon sieht man deutlich, ob das geplante Geschäftsmodell trägt…

Im Resultat erhält man die Geschäftsidee verständlich und präsentierbar dargestellt, inklusive einer einfachen Budgetübersicht – die sich (Controller dürfen aufatmen) als CSV an Excel weiterleiten und dort aufschäumen lässt.

Das Tool eignet sich für ein schnelle Überprüfung eigener Geschäftsideen; in Verbindung mit einem iPad 2 und einem Beamer ist es aber auch ein tolles Werkzeug für Unternehmensberater.

Business Model Toolbox im iTunes Store

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