iPad App Test: Notizen auf dem iPad – die besten Schreib-Apps

Das beste Notizbuch macht die schlechteste App. Das ist das Fazit aus meinem Notiz – App Test. Das klassische Moleskine Notizbuch aus Papier, Pappe und Lederimitat ist taschenfreundlich, stabil gebunden, das Papier ist gut beschreibbar. Die App von Moleskine dagegen ist einfach nur grottig. Gibt es auch bessere Notizprogramme auf dem iPad?

Ja, die gibt es. Da wären natürlich die Arbeitstiere „Penultimate“, „Note Shelf“ oder „Notetaker“. Oder Künstler wie „Paper“ von Fiftythree. Zuerst aber ein kleiner Ausritt in ein anderes Thema: das Fingermalen. Was bei „Erstes Schreiben, erstes Lesen“ ganz natürlich wirkt, geht bei Schreibprogrammen für Erwachsene gar nicht. Schreiben mit dem Finger ist ein ganz klarer Rückschritt in eine Entwicklungsstufe 1.000 Jahre vor Erfindung der Keilschrift. Nach ein paar Versuchen stellte ich fest: ein Stift muss her!

Just Mobile iPad Stift

Wirkt wie eine Rakete: der Just Mobile Stift

Zuerst hatte ich sie bei einem Kollegen gesehen: die schicke „Alu Pen“ von Just Mobile. Er schrieb damit ganz fröhlich auf dem iPad, ganz klar eine höhere Zivilisationsstufe gegenüber der Tablet – üblichen Fingermalerei. Die Alu Pen kam ein paar Tage später von Amazon. Mattiertes, sechseckig geformtes Aluminium, ein weicher schwarzer Gummipilz als Schreibspitze. Doch ohne passende Apps geht es mit dem Schreiben nicht. Als alter Moleskine Fan (diese schwarzen Notizbücher, die der Legende nach schon Hemingway benutzt hatte – nur gab es zu seinen Zeiten Moleskine noch gar nicht) lud ich natürlich sofort die Moleskine App (gratis) vom Store.

Moleskine App

Moleskine Notizbuch

Echt ist besser als App: Moleskine

Was soll ich sagen. Irgendwie schaut die „Moleskine App“ auf dem iPad kurz mal nach Notizbuch aus, dann hat man eine störrische Liste vor sich und fummelt sich zum ersten Arbeitsblatt. Tippt man auf das Blatt, kommt die Tastatur. Ich will mit der Hand schreiben! Die „Hilfe“ ist wenig hilfreich, aber plötzlich geht es – ich kann jetzt nicht nachvollziehen, wie, aber es erscheint ein krakeliger Strich, der stets dort blitzähnlich herumzackt, wo man mit dem Handballen die Scheibe berührt. Also sollte man stets „luftschreiben“.

Das war’s mit Moleskine, ich gebe ein glattes Ungenügend.

Penultimate

Diese App zu 1,59 wirkt sorgfältig umgesetzt. Die Oberfläche ist aufgeräumt, man erkennt sofort das erste Notizbuch, es öffnet sich, es vergrößert sich und schon ist alles wie es sein soll. Blätter gibts liniert, kariert, blanko oder aus dem „Papierladen“. Da kostet der „Planer“ 79 Cent, das Notenpapier teure 2,39 €.
Der Stift malt saubere Linien, die bei verstärktem Druck auch dicker werden – es schaut alles gleich sehr dynamisch aus!

Penultimate App Test

Penultimate macht Spaß!

Penultimate verfügt über eine so genannte „Wrist Protection“, die nicht meine Hand, sondern die Linie des Stiftes vor einem zweiten Berührungspunkt durch die Schreibhand schützen soll. Das funktioniert, soweit man entweder immer oder nie die Scheibe berührt. Vor eigenartigen „Farbspritzern“ ist so eine Handschriftapp nie sicher.
Penultimate ist eine reine Hand-Schreibapp, die keine Tastatur kennt. Notizbücher lassen sich als PDF exportieren. Ich gebe ein Gut. (Mehr lesen Sie im Penultimate Test auf appyness)

Noteshelf

Diese teure (3,99) App kommt mit einem iBook – ähnlichen Buchregal, die Notizbücher sind hoch konfektionierbar: Einbände und Papiersorten (Notenpapier enthalten, eigene Papierentwürfe sind möglich) lassen keine Wünsche offen. Stifte gibt es in vielen Farben und variabler Schreibspitze, darunter auch einen gelben Marker.
Genial ist die „Wrist Protection“ gelöst.

Noteshelf App Test

Noteshelf ist eine exzellente Notiz-App

Ein Schieber rechts gibt an, bis wohin man momentan schreiben will, und schon geht es völlig ohne Linienausreißer zur Sache. Vom Schreibgefühl her die beste Notizbuch App: auf Wunsch wird der aktuelle Schreibbereich vergrößert, was eine große Erleichterung darstellt. Man kann mit Noteshelf zügig und sinnvoll handschreiben und Zeichnungen anfertigen. Exportieren geht als Bild oder PDF an alle möglichen Ziele: Mail, Dropbox oder ins Album. Note für Noteshelf: Sehr gut!

Note Taker

Das 3,99 € teure Note Taker wirkt auf ersten Blick komplex. Die Oberfläche ist nicht iPad like verspielt, sondern sehr kühl und rational grau in grau gehalten. Dafür beherrscht Note Taker eine Disziplin besonders gut: das handschriftliche Kommentieren von PDF’s.

Und gehört damit eigentlich nicht in das Lager der reinen Notiz Apps.

Notetaker App Test

Das Arbeitstier: Notetaker

Hat man aber ein PDF vor sich, und will Bereiche markieren, Korrekturen anbringen oder sinnige Skizzen zufügen, dann ist Note Taker erste Wahl. Das bemalte PDF lässt sich als wieder als PDF rausbringen. Ich bewerte Note Taker mit: Sehr sinnvoll!

Writings

Diese Schreib App aus dem italienischen Hause Ice Cream ist ganz klar auf das Verfassen von Notizen ausgelegt, stellt dafür aber nur das Keyboard zur Verfügung. Lobenswert ist die erweiterte Tastatur, die zusätzlich einen Tabulator sowie häufig gebrauchte Satzzeichen zur Verfügung stellt. Da besonders viel Wert auf die Gestaltung von Anführungszeichen gelegt wurde, wird der Entwickler das Verfassen von Zitaten, Aphorismen und sonstigen sinnigen Kurztexten im Fokus gehabt haben.

Writins App Test

Wertvolle Gedanken: Writings

Ein besonderes Lob möchte ich für die zusätzlichen Schriften aussprechen: mit dem edlen (und freien) Font „Gentium Plus“ sowie der gut lesbaren „CMU Typewriter“ bietet Writings ein angenehmes Schriftbild. Die Verlinkung mit Dropbox funktioniert, bei „.txt“ Dateien, die man von woanders importieren möchte, sollte man auf „UTF-8“ Kodierung achten.

Writings kostet aktuell 3,99 €. Das ist zu teuer. Denn dieses Programm ist zuwenig Textverarbeitung und gleichzeitig zu wenig Notizprogramm. Geht so.

Inkiness

Betont einfach tritt diese Notiz-App auf: ein karierter Notizblock erscheint, eine kleine klassische Feder malt fröhlich dahin. Bis dahin ganz nett, nur erzeugt bei meinem Test jeder Versuch, etwas Lesbares (!) zu schreiben, ein wildes Gekrakel. OK, das kann an mir liegen. Da es aber keine „Wrist Protection“ gibt, erübrigt sich die Nutzung eines Stiftes – außer man bevorzugt die klassische Pinselhaltung eines Kunstmalers. Sobald man nämlich mit dem Handballen die Scheibe berührt, zeichnet Inkiness überhaupt keine Linie mehr.

App Test Inkiness

Inkiness: Habe ich wirklich so eine Kralle?

Also zeichne ich mit dem Finger, und wenn man den Schreibpunkt der Feder richtig eingestellt hat (funktioniert über das Federsymbol unten), geht es auch ganz gut. Anwendungsgebiet: schnelle Skizzen und kurze Notizen. Dafür ganz gut.

Ink Notes HD

Zum aktuell gleichen Preis wie „Inkiness“ bekommt man im Store „Ink Notes HD“; und das ist ein ganz anderes Kaliber. Die Organisation der Notizbücher funktioniert über einen „Page Manager“, mit dem einzelne Seiten angelegt werden können. Diese Seiten wählt man dann mit „Doppel Tap“ aus, was man auch erst mal rausfinden muss. Ink Notes verfügt über eine „Wrist Protection“, für die allerdings die „Multitasking Gestures“ in den iPad Settings abgeschaltet werden sollte – sonst findet man sich unversehens auf der iOS Oberfläche wieder.

App Test Ink Notes HD

Ink Notes ist eine mehr als ordentliche Notiz App!

Das Zeichnen und Schreiben funktioniert sehr angenehm, die verschiedenen Stifte verhalten sich natürlich und gehorchen sowohl dem Finger als auch dem Stift genau. So macht das Spaß! Schön ist, dass man mit Zweifinger-Griff das Blatt schnell vergrößern kann, und auf diese Weise auch mal ein Detail genauer bearbeiten kann. Ink Notes HD bietet einen Farbmixer und freie Stift-Gestaltung. Auch kann auf PDF-Dokumente gezeichnet werden. Gut ist auch die Undo-Funktion, bei der einzelne Schritte exakt über eine Auswahlliste zurückgenommen werden können. Das ist eine sehr gute Notiz App! Erstellte Blätter können als PDF oder Bitmap exportiert werden – sowohl an den Photo Ordner, wie auch als PDF an andere Apps. Ausgezeichnet!

Paper by Fiftythree

Diese App ist wunderschön gemacht, schon die Übersicht der angelegten Notizbücher ist eine Wohltat. Den Programmierern ist eine Funktion besonders anzurechnen: jede Notiz schaut sofort irgendwie künstlerisch aus. Die mitgelieferte Feder erzeugt beim Schreiben tolle Schwünge – fast schreibt man auf dem iPad schöner als auf Papier! Die „Wrist Protection“ funktioniert (mit kleinen Tücken)  anstandslos. Ein Wermutstropfen ist, dass jeder weitere Stift, ob Pinsel oder Marker, gekauft werden muss und mit 1,95 zu Buche schlägt. Das ganze „Essentials Paket“ kostet 5,99 €. Wobei gesagt werden muss, dass etwa der Pinsel auch wirklich gut funktioniert!

App Test Paper by Fiftythree

Paper by Fiftythree: Der edle Schwung!

Paper ist etwas für Schöngeister. Für eine schnelle Notiz vielleicht zu künstlerisch. Das allerdings funktioniert Top – Sie werden sich wundern, was eine gut programmierte Zeichenapp auch aus mittelmäßig begabten Künstlern machen kann! Schön!

Calligraphy

Außer Konkurrenz – und eigentlich auch ganz was anderes – ist diese Schreibübung. Zeit für etwas Meditation! Kratzende Gänsefedern, kühle Klostermauern, knisterndes Pergament. Für alle Mönche, die eine Schreib App suchen, genau das richtige (2,99 €). Hier gibt es kein freies Herumgeschreibe, sondern strenge Richtlinien für Frakturschriften, Unziale und chinesische Kaishu oder Caoshu („Grasschrift“) Zeichen.

Calligraphy App Test

In der Ruhe liegt die Kraft: Calligraphy

Mit ein bisschen Übung gelingen eindrucksvolle Schriftwerke. Ich möchte anmerken, dass für eine korrekte Frakturschrift das „lange s“ zu beachten ist: das kennt der Programmierer nicht. Ich empfehle zur konzentrierten Schriftübung gregorianischen Mönchsgesang oder tibetanische Klangschalen Musik. Note: Abgefahren, meditativ und gut!

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2 Responses to iPad App Test: Notizen auf dem iPad – die besten Schreib-Apps

  1. franz74 13. September 2012 at 18:12 #

    Ein schönes Notiz-Tool ist auch Beesy (http://www.beesapps.com/beesy-ipad-to-do/). Geht halt eher in den Business-Bereich, denn es ist vor allem für Besprechungsnotizen gedacht (aus denen man auch automatisch To-do-Listen generieren kann).

  2. Lionel 8. November 2012 at 19:07 #

    I’ve been using 2 excellent apps:

    – GoodNotes – Notes & PDF: 4.5 star App Store rating for this absolutely fantastic note taking.
    – CourseNotes: 4.5 star App Store rating for this educational organizing and note taking.

    Check out this iPad video tutorial review: http://ipadlessonsite.com/ipad-video-lessons-review/.

    Thanks for posting this great article on writing apps!

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